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Die erste große Liebe



Im heutigen Mai-Blog möchte ich euch von meiner ersten ganz großen Liebe erzählen. Sie hat mich schon vor meiner Geburt begleitet und war während meines Aufwachsens ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Heute bin ich ihr näher denn je, aber es gab auch Zeiten in denen ich krank wurde, weil ich mir nicht ausreichend Zeit für sie nahm. Die Rede ist natürlich von der Musik. Meine Mutter und mein Vater sangen im Kirchenchor bis zu meiner Niederkunft. Mit 4 Jahren begann ich mit Blockflöte in der Musikschule. Mit 9 Jahren begann meine Karriere am Klavier, die ich ganze 10 Jahre – bis zur Oberstufenprüfung verfolgte. Wenn ich zuhause war, sang ich – sehr hoch und wie ich heute beurteilen kann – schon die ersten Gesangsübungen. Mein Umfeld war nicht immer so begeistert wie ich davon, mein Wunsch jedoch stand fest. Im Alter von 6 Jahren wusste ich, dass ich Sängerin sein wollte. Ich lernte singen mit Celine Dion und Whitney Houson, mit Cher und Barbara Streisand. Mein Vater, der großer Fan von Oper und Musical war, hat mich dahingehend auch sehr geprägt. Diese ganz innigen Gefühle verbunden mit einer schönen Melodie oder der Harmonie zweier Stimmen haben mich von allem Anfang an begeistert. Schon im Alter zwischen 15 und 20 habe ich meine Gefühle in Songs verwandelt, die zwar nicht sonderlich aufregend waren, aber zumindest den Weltschmerz, den ich damals hatte, in Töne und Melodien umsetzten. Wie bei jeder großen Liebe – ist der Weg nicht reibungslos und so erwartete insbesondere mein Vater, eine Pianistin für klassische Stücke. Dies hingegen war so gar nicht meines und so entdeckte ich nach und nach meine Stimme, die zu meinem Hauptinstrument werden sollte. Am Klavier begleitete ich mich selber. Von zuhause aus wurde ich in den Klavier- und Flötenstunden gefördert. Dass die Musik und auch das „Auf-der-Bühne-stehen“ Lebensinhalt für mich bedeuteten, haben wohl beide Eltern nie ganz verstanden. Meiner Sturheit und meinem Durchhaltevermögen ist geschuldet, dass ich diesem, meinem Wunsch seit ich denken kann, noch immer nachjage. Warum genau dieser Blog in den Mai passt, hat noch einen Grund. Am 17. Mai starb vor inzwischen 17 Jahren mein Vater. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mir mein Vater gern erzählt hatte. Er saß gerne im Wohnzimmer und hörte sehr laut seine Klassik-Schallplatten an. Er konnte in dieser Musik versinken und seine Fantasie begann die Melodien in Bilder zu verwandeln. Eines Tages als er so lauschte, kam mein Cousin zu ihm ins Zimmer und fragte, was er dort machen würde. Mein Vater – berührt von der Musik – erklärte ihm, dass der Tee, den er getrunken hätte, ein Märchentee wäre und wenn er ihn trinkt, dann könnte er die Bilder zur Musik sehen. Und tatsächlich erklärte er meinem Cousin von Reitern, die zur Jagd durch den Wald ritten und er beschrieb die Szenen sehr detailgetreu. Mein Cousin war neugierig geworden und wollte von dem Tee auch probieren. Der Tee war jedoch eigentlich ein bitterer Magentee, den mein Vater aufgrund seiner Magenschmerzen trinken musste. Mein Cousin probierte und fand den Tee ziemlich ekelhaft, mein Vater war sehr erheitert, da er meinem Cousin einen Bären aufgebunden hatte. Was mir geblieben ist davon, ist dass Musik mich sehr tief berührt und ich meine Erfahrungen in und durch die Musik ausdrücken kann. Mein Vater konnte staunend hören, er war oft nach außen hin ein „harter Knochen“, aber die Musik erreichte auch bei ihm Areale, die tief im Inneren verschlossen waren. Es gab Zeiten, in denen ich mit Ausbildung, meinen Kindern oder Projekten so beschäftigt war, dass die Musik – mein Atmen der Seele – zu kurz kam und dann musste ich die Konsequenzen selber tragen. Ich wurde krank davon. Oder ich konzentrierte mich zu sehr auf andere und ihr Vorankommen. Auch dann fühlte ich ein Ungleichgewicht. In der „Geschichte vom Adler“ von James Aggrey hören wir von einem Adler, der als Huhn gehalten wurde und gelernt hatte, Körner vom Boden zu picken aber im Herzen immer ein Adler geblieben war. In meiner Geschichte war ich lang ein Huhn und gab mich zufrieden damit, die Körner vom Boden zu picken und nur mittelmäßige Musik zu machen, klein von mir zu denken und wenn ich mich nicht nach vorne bringen konnte, dann wenigstens andere. Diese Zeiten sind nun vorbei. Meine Geschichte, die Ängste meines Vaters musikalisch „nicht gut genug“ zu sein, hielten mich lang davon ab, mit dem Herzen Musik zu machen und letztendlich richtig gut zu werden. Ich versuchte Dinge besonders gut zu machen, anstatt die Dinge aus der Seele zu tun, die nur ich genau so machen konnte. Nach einigen Kämpfen, einigen Jobs, in denen ich wie ein Huhn aufgescheucht von links nach rechts hüpfte und mich mit anderen Hühnern und Hähnen zusammenraufte, traf ich eine folgenschwere Entscheidung. Ich wollte nun endlich als Adler fliegen. Ich traf die Entscheidung, dass die Musik nie mehr nur mehr ein „Nebenprodukt“ meines Lebens sein sollte, sondern nur mehr meine Haupteinnahmequelle, mein Hauptfach und meine Hauptbeschäftigung. Die Fesseln waren gefallen. Meine Schwingen breiteten sich aus. Und wenn ich auch anfangs eher unsicher Richtung Himmel schaute, so wusste ich, dass ich hier am Boden keinen weiteren Tag überleben könnte, weil sich sonst meine Flügel deformieren und schrumpfen würden. Ich weiß heute und erkannte endlich, dass mein Talent keine Willkür und nur das Ergebnis irgendeiner Vererbungslehre war, sondern der Auftrag des Himmels mit meiner Stimme und Musik Herzen zu berühren und ihnen ein Stück Sehnsucht nach dem Himmel zu vermitteln. Erst nach dieser Entscheidung passierten richtige Wunder, neue Wege taten sich auf und die Bestätigung ließ nicht lange auf sich warten. Lange Zeit habe ich mit meiner Geschichte gehadert. Lange Zeit war ich auf meinen Vater böse, dass er mir das Singen so oft vermiest hatte. Heute weiß ich, dass ich sie nicht ohne Grund erlebt habe, denn mit meiner Gabe komme ich bei meinen Schüler*innen dorthin, wo die Sprache nicht hinreicht. Ich darf heute Menschen helfen, die auch oft gehört haben, dass sie „nicht singen können“, aber diesen Herzenswunsch seit jeher in sich tragen. Ich bin für die eine Stimme, die sich nicht trauen oder ich spreche ihnen „aus der Seele“. Ich setze mich für Themen ein, die in mir ein Unwohlsein auslösen, weil zu lang oder zu oft geschwiegen wird. Hoffnungslose Fälle gibt es für mich nicht. Ich will Stimme statt Echo sein. Ich habe genug erlebt und meine Erfahrungen werden wieder zu Rettungsseilen für andere. Ich will diese Liebe nie wieder loslassen. Nie wieder vernachlässigen. Ich will meine Gabe hegen und pflegen. Ich finde es unendlich traurig, wenn große Stars sterben oder so krank werden, dass sie nicht mehr auftreten können. Im Gegenzug dazu frage ich, wie lange ich noch warten will, um alles zu geben. Der Zeitpunkt ist jetzt. Ich sage „JA“ zu meiner großen Liebe. Sie hat mich oft genug am Leben erhalten und mir wieder neue Kraft geschenkt. Als Song für den Mai-Blog habe ich ein wunderschönes Lied gewählt. „A thousand years“ - Meine Liebe zur Musik ist seit jeher und für die nächsten 1000 Jahre aufrecht. Noch schöner, wenn du diese Liebe mit jemandem teilen kannst. Danke Johannes!


In diesem Sinne

be a voice - not an echo!



Eure Katrin





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