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Wer sitzt am Richterstuhl?



 Lustigerweise gibt es einen Beruf, der an und für sich relativ lange Ausbildungszeit benötigt, aber man kann ihn sehr schnell für sich in Anspruch nehmen und auch ausüben. Es ist nämlich der Beruf des Richters oder der Richterin.


Ein praktisches Beispiel. In der Familie geschieht irgendetwas und es werden nicht nur verschiedene Meinungen kundgetan, sondern es werden Urteile gesprochen. Also eigentlich so die Kernaufgabe eines Richters.


Was mir auffällt ist, dass es offensichtlich so spannend ist und vor allem auch so hilfreich, dass man sich diesen Richterstuhl einfach für sich innerlich wunderschön hergerichtet hat. Egal was passiert, ich krabbel hinauf auf diesen Richterstuhl, schau auf die anderen hinab und fälle mein Urteil. Daran ist ja grundsätzlich einmal nichts auszusetzen, würde uns das nicht gegenseitig auch unendlich viel Leid bescheiden. Das funktioniert nämlich wirklich. Das heißt, andere Leute schauen auf mich, hören Sachen über mich und sprechen ein Urteil.


Eigentlich ist es ja doch ziemlich überheblich. Also nicht der Richterberuf, sondern diese Haltung. Ich schau, dass ich möglichst rasch auf den Richterstuhl klettere und urteile alles um mich herum ab.


Interessanterweise gibt es dafür keine Altersgrenzen. Also als Richter geht man mit 60 sicher nicht in Pension. Ich kenne ältere Menschen, die richten, dass es wirklich nicht mehr normal ist. Und genauso ist es auch bei den Jungen und Jüngsten, dass sie sich gegenseitig das Leben mit ihren Urteilen schwer machen.



Jürgen Öllinger, Pfarrer und Autor


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